Nachbericht
Mit rund 160 Teilnehmern ging die mittlerweile 6. Auflage des Karlsruher Wissensmanagement Symposiums über die Bühne. Die vom „Arbeitskreis Wissensmanagement Karlsruhe e.V.“ im Siemens Industriepark Karlsruhe organisierte Veranstaltung stand unter dem Motto „persönliches Wissensmanagement“. Den namensgebenden Vortrag lieferte Gabi Reinmann von der Universität Augsburg. Frau Reinmann betrachtete das Thema von der theoretischen Seite und erhärtete ihre Ausführungen anhand praktischer und empirischer Argumente von Knowledge Blogs.
Das Symposium wurde bestimmt von dem Spannungsbogen, der durch den Eröffnungsvortrag von Wim Veen, TU Delft, und den Schlussvortrag von Manfred Spitzer von der Uniklinik Ulm aufgebaut wurde. Wim Veen entwickelte das Szenario vom „homo zappiens“, einer Generation, die sich in mehreren Medien gleichzeitig bewegt und durch verschiedene Anwendungen zappt. Er verdeutlichte den „Kulturschock“, den ein jugendlicher „homo zappiens“ in der Schule erleben muss, wenn ihm die Nutzung von Handy, iPhone und Internet während des Unterrichts untersagt wird. Lernen scheint heute in der Welt des Internets anderen Regeln zu folgen, als uns dies die traditionelle Schulweisheit vorschreiben will. Ohne zu werten, beschrieb Wim Veen die Auswirkungen, die ein solches Umfeld auch auf Lernen und Weiterbildungsmaßnahmen im beruflichen Leben haben werden.
Einen völlig anderen Ansatz verfolgte Manfred Spitzer in seinem Vortrag „wie lernt das Gehirn“. Das Gehirn ist nicht gebaut für das Lernen von Einzelheiten, sondern um die Regeln hinter den Einzelheiten zu lernen. Das gilt für das Laufen lernen des Babys ebenso wie für das Bruchrechnen oder das Versenden von SMS. Prof. Spitzer: "Das Gehirn lernt immer, aber nicht unbedingt das, was der Lehrer will ... Es liegt deshalb an uns, darauf zu achten, dass Kinder den richtigen Input bekommen." Falscher und höchst bedenklicher Input sind die Gewalttaten im Fernsehen. Mit 18 haben Jugendliche im Schnitt 200.000 Gewalttaten gesehen. Einer der Gründe, weshalb Spitzer Fernsehen und Internet grundsätzlich von Kindern und Jugendlichen fernhalten möchte.
Kurz vor der Mittagspause wurde von Rudi Studer zum 4. Mal in Folge der „Nachwuchspreis Wissensmanagement“ verliehen. Der Preis ging 2008 an Christian Warth von der Donauuniversität Passau für seine Diplomarbeit „Wissensnetzwerke und Wissenstransfer in einer globalen Produktlinie eines Automobilzulieferers“.
Rudi Studer, Uni Karlsruhe, stellt in einem der beiden Praxisslots zusammen mit Andreas Schmidt vom FZI Karlsruhe und Hans-Peter Schnurr, ontoprise GmbH, die Bewerbung Karlsruhes als iRegion und die daraus resultierenden Folgen für die Region vor. Die Vision: die iRegion Karlsruhe wird bis 2015 das europaweit führende Spitzencluster der Net Economy.
Im Anschluss daran stellte Rainer Schütterle vom Karlsruher SC zusammen mit Peter Salziger die Wissensbilanz des KSC vor. Nachdem im Vorjahr mit der EnBW eine Aktiengesellschaft ihre Wissensbilanz vorstellte, war es spannend zu hören, was einen Profisportverein in Sachen Wissensmanagement umtreibt.
Parallel zu diesen beiden Rednern referierte Max Völkel vom Forschungszentrum Informatik über „persönliche Wissensmodelle mit semantischen Technologien“.
Im Anschluss daran gingen Eric Naß und Andreas Hauser vom FIR Aachen auf „Das relevante Wissen zum richtigen Zeitpunkt im Geschäftsprozess“ ein. Ausgehend davon, dass heutzutage rund 20% der Arbeitszeit eines Wissensarbeiters für die Wissens- und Informationsrecherche verbraucht werden und dass viele Entscheidungen auf der Basis ungenügender Informationen getroffen werden, versucht das Prozessorientierte WM Lösungsansätze zu bieten, die diesen Umständen begegnen.
In einem dritten Slot konnte Innovationsmanager Arno Dirlewanger in seinem Aktiv-Vortrag die Zuhörer animieren, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen, um Innovationen leichter zu ermöglichen.
Alles in allem war das Symposium im Tenor der Teilnehmer wieder eine gelungene und informative Veranstaltung, die auch genügend Gelegenheit zum Austausch der Teilnehmer untereinander geboten hat. (tas)